

Er analysiert zunächst, wie prominente Zeitdiagnosen (Swetlana Alexijewitsch, Alexander Kluge und Marina Garcés) Tschernobyl als ein epochales, disruptives Ereignis interpretieren, das die moderne Zeitwahrnehmung und das Weltbild grundlegend verändert hat. Im Anschluss rückt die popkulturelle Rezeption von Tschernobyl in den Fokus. Im Ergebnis zeigt der Beitrag, wie ›Tschernobyl‹ zu einem populären Geschichtszeichen werden konnte, das in unterschiedlichen Diskurskonstellationen der Selbstbeschreibung der Gesellschaft unter den Bedingungen der disruptiven Kondition der Gegenwart dient.
This article examines the cultural and discursive processing of the Chernobyl reactor disaster of 1986. It begins by analyzing how prominent readings of the present (Svetlana Alexievich, Alexander Kluge, and Marina Garcés) interpret Chernobyl as an epoch-making, disruptive event that fundamentally changed modern perceptions of time and worldviews. It then focuses on the pop-cultural reception of Chernobyl. Ultimately, the article shows how “Chernobyl” became a popular historical symbol that serves in various discursive constellations to describe society under the disruptive conditions of the present.
Lars Koch, geb. 1973, ist seit 2014 Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Medienkulturwissenschaft an der Technischen Universität Dresden. Zuvor lehrte und forschte er an den Universitäten Groningen, Siegen, Konstanz, HU Berlin und Hagen. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören: Literatur- und Mediengeschichte der Angst; Disruption; Invektivität. Veröffentlichungen u. a.: Literarische Organotechnik. Studien zu einer Diskurs- und Imaginationsgeschichte (Mhg., 2024); The Great Disruptor. Donald Trump, die Medien und die Politik der Herabsetzung (Mhg., 2025).
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