Alexander Nebrig ORCID

Goethes Kritik der Redeszene und das Ende der Bühne in "Wilhelm Meisters Lehrjahre"


25 Seiten
Erscheinungsdatum: 18.02.2026

DOI https://doi.org/10.46500/83536069-004

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Buchcover von »Goethes Kritik der Redeszene und das Ende der Bühne in "Wilhelm Meisters Lehrjahre"«
Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft
Internationales Organ für Neuere deutsche Literatur

DOI https://doi.org/10.46500/83536069
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In »Goethes Wilhelm Meisters Lehrjahre« (1795 /96) gibt es zahlreiche Redeszenen, die weder zusammenhängend untersucht noch in Bezug zur Theaterthematik des Romans gesetzt wurden.


Dabei wäre ein solcher Schritt naheliegend, da beide Künste, Rhetorik und Theater, ihren Fluchtpunkt im Konzept der Bühne (»skené«) haben, Redende schauspielerische Fähigkeiten vorweisen müssen und zumindest das klassische Theater affektrhetorisch funktioniert. Eng verbunden mit der Abkehr des Protagonisten vom Theater, so die These, sind Szenen, in denen sich Wilhelms oft scheiternder Anspruch nach öffentlicher Wirkung ausdrückt. Diesen Anspruch gibt er genauso wie seine Theaterlaufbahn auf und wird Mitglied des Geheimbundes der Turmgesellschaft. Die bühnenkritische Einstellung vermittelt Goethe über die Redeszenen, genauer: über ihr Scheitern, denn sie zeigen oftmals Wilhelm Meister, wie er sein Publikum verfehlt, andere Ziele erreicht als beabsichtigt oder die Rede nur plant, aber nicht ausführt.

There are numerous speech scenes in Goethe’s »Wilhelm Meister’s Apprenticeship« (1795 /96) that have neither been examined in a coherent manner nor related to the novel’s theatre theme. Such a step would be obvious, since both arts, rhetoric and theatre, have their vanishing point in the concept of the stage (»skené«), speakers must demonstrate acting skills, and at least classical theatre functions affectively. Closely linked to the protagonist’s turning away from the theatre are scenes in which Wilhelm’s often failing aspiration for public impact is expressed. He gives up this ambition as well as his theatre career and becomes a member of the secret Tower Society. Goethe conveys his critical attitude towards the stage through the speech scenes, or more precisely, through their failure, as they often show Wilhelm Meister failing his audience, achieving different goals than intended or only planning the speech but not carrying it out.


Alexander Nebrig

Alexander Nebrig ist Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

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Kategorien

Schlagworte
Aufklärung, Weimarer Klassik, Romantik, Moderne, Gegenwartsliteratur, Grundlagenforschung, Deutsches Literaturarchiv, Marbach, Jahrbücher, Literaturwissenschaft, Reihen, Kotzebue, Schiller, Ingeborg Bachmann, Comic, Kolonialismus, Afrika, Schillerrede
Thema
DSBD, DSBF, DSBH, DSBJ, DSC, DSG, DSK, DSM
Bisac-Code
FOR009000, REF027000

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