Nina Birkner

"die Gesetze der Welt sind Würfelspiel worden" - Narzisstische Modi der Konfliktverarbeitung in Schillers "Die Räuber"


27 Seiten
Erscheinungsdatum: 18.02.2026

DOI https://doi.org/10.46500/83536069-003

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Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft
Internationales Organ für Neuere deutsche Literatur

DOI https://doi.org/10.46500/83536069
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Im Beitrag wird dafür argumentiert, dass es sich bei Schillers Karl Moor um eine Figur mit einem narzisstischen Persönlichkeitsstil handelt.


Das lässt sich erstens auf Schillers Interesse an der menschlichen Psyche zurückführen. Im Rekurs auf das anthropologische Wissen seiner Zeit führt er eine Figur vor, deren Modi der Konfliktverarbeitung erst später – mit der Herausbildung des psychoanalytischen Denkens – als narzisstisch definiert werden.
Dass Karl als Narzisst konzipiert ist, lässt sich zweitens aus problemgeschichtlicher Perspektive beschreiben. Im Zuge der sich im Verlauf des 18. Jahrhunderts vollziehenden soziostrukturellen Modernisierungsprozesse geht die Identität des Subjekts nicht länger aus seiner Inklusion in eine feste soziale Umwelt hervor. Vielmehr gilt es, die eigene Individualität selbstbestimmt hervorzubringen und durch intersubjektive Bestätigung zu stabilisieren. Diese Grundparadoxie – das Streben nach Autonomie bei gleichzeitigem Bedürfnis nach Anerkennung – ist laut der psychoanalytischen Forschung für den Narzissmus auf intrapsychischer Ebene kennzeichnend und wird nun auch auf sozialer Ebene virulent.
The article argues that Schiller’s Karl Moor is a character with a narcissistic personality style. Firstly, this can be traced back to Schiller’s interest in the human psyche. With recourse to the anthropological knowledge of his time, he presents a character whose modes of conflict processing are only later – with the development of psychoanalytical thinking – defined as narcissistic.

Secondly, the fact that Karl is conceived as a narcissist can be described from a problem-historical perspective. In the course of the socio-structural modernization processes that took place in the 18th century, the identity of the subject no longer emerged from his inclusion in a fixed social environment. Rather, it is a matter of creating one’s own individuality in a self-determined way and stabilizing it through intersubjective confirmation. According to psychoanalytical research, this basic paradox – the striving for autonomy and the simultaneous need for recognition – is characteristic of narcissism on an intrapsychic level and is now also becoming virulent on a social level.


Kategorien

Schlagworte
Aufklärung, Weimarer Klassik, Romantik, Moderne, Gegenwartsliteratur, Grundlagenforschung, Deutsches Literaturarchiv, Marbach, Jahrbücher, Literaturwissenschaft, Reihen, Kotzebue, Schiller, Ingeborg Bachmann, Comic, Kolonialismus, Afrika, Schillerrede
Thema
DSBD, DSBF, DSBH, DSBJ, DSC, DSG, DSK, DSM
Bisac-Code
FOR009000, REF027000

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