Julia Bohnengel

Der Bräutigam als Puppe

Zu einer frühen Theaterrede August von Kotzebues (1778)


15 Seiten
Erscheinungsdatum: 18.02.2026

DOI https://doi.org/10.46500/83536069-002

Lizenz CC BY-NC-ND 4.0
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AUS DEM BAND:
Buchcover von »Der Bräutigam als Puppe«
Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft
Internationales Organ für Neuere deutsche Literatur

DOI https://doi.org/10.46500/83536069
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Eines der frühesten Zeugnisse August von Kotzebues zum Theater, das sich erhalten hat, ist der Epilog »Röschen an das Parterre in Jena«, den der etwa Sechzehnjährige 1778 für das studentische Liebhabertheater in Jena verfasste.


Vermutlich hat Kotzebue bei der Theateraufführung der studentischen Laien den Epilog selbst in Mädchenkleidern und in der Rolle der einzigen weiblichen Figur des gespielten Stücks, Johann Christian Bocks »Der Bettler« (1771), vorgetragen und dabei ein virtuoses intertextuelles, metapoetisches und performatives Spiel entfaltet: Die Handlung des »Bettlers« fortschreibend spricht hier eine weibliche Figur, die ihren Bräutigam scherzhaft als Puppe betrachtet und ihrer eigentlichen Liebe – der Leidenschaft für das Theater – Ausdruck verleiht. Damit partizipiert Kotzebue nicht nur erstaunlich früh an der Literarisierung des Genres Theaterrede in Deutschland, sondern zeigt sich innovativ auch in der Sensibilisierung für die Konstruktion von Geschlechterkonzepten.

One of August von Kotzebue’s earliest surviving documents relating to the theatre is the epilogue »Röschen an das Parterre in Jena«, which the sixteen-year-old wrote in 1778 for the student amateur theatre in Jena. It is likely that Kotzebue performed the epilogue himself in girls’ clothes and in the role of the female character of Johann Christian Bock’s »Der Bettler« (1771), staged by this amateur student theatre. This was a virtuoso intertextual, meta-poetic and performative game: Continuing the plot of »Der Bettler«, a young, self-confident female character speaks here, jokingly referring to her groom as a doll and expressing her true love – a passion for the theatre. Kotzebue therefore not only shapes artistically the literary genre of the epilogue at a surprisingly early moment in Germany, he also proves to be innovative in his playful awareness of the construction of gender concepts.


Kategorien

Schlagworte
Aufklärung, Weimarer Klassik, Romantik, Moderne, Gegenwartsliteratur, Grundlagenforschung, Deutsches Literaturarchiv, Marbach, Jahrbücher, Literaturwissenschaft, Reihen, Kotzebue, Schiller, Ingeborg Bachmann, Comic, Kolonialismus, Afrika, Schillerrede
Thema
DSBD, DSBF, DSBH, DSBJ, DSC, DSG, DSK, DSM
Bisac-Code
FOR009000, REF027000

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