Joanna Nowotny

"Ich 'musste' an die Öffentlichkeit appellieren"

Polemik und Philologie am Beispiel Jonas Fränkels und der Debatte rund um Carl Spittelers Nachlass


32 Seiten, 7 Abbildungen
Erscheinungsdatum: 18.02.2026

DOI https://doi.org/10.46500/83536069-006

Lizenz CC BY-NC-ND 4.0
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Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft
Internationales Organ für Neuere deutsche Literatur

DOI https://doi.org/10.46500/83536069
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Der Beitrag widmet sich auf der Basis neu erschlossenen Nachlassmaterials einer stark rezipierten Pressepolemik, in der sich der Schweizer Literaturwissenschaftler Jonas Fränkel und Vertreter des germanistischen Establishments gegenüberstanden.


Thema war der Umgang mit dem Nachlass Carl Spittelers. Fränkels kunstvolle polemische Texte geben Einblick in sein Verständnis von exklusivem und öffentlichem Wissen sowie von Werkhaftigkeit. Die Analyse erhellt erstens, wie ein Wissenschaftler mit großen Verdiensten rund um Schweizer Literaturgrößen wie Spitteler oder Gottfried Keller gerade im Zuge einer polemischen Betätigung, die Fränkel selbst als Verteidigung verstand, in der Öffentlichkeit als Querulant diskreditiert wurde. Zweitens werden breite wissensgeschichtliche Kontexte eröffnet: Der Umgang mit Nachlässen von Schriftstellern war seit jeher Gegenstand polemischer Debatten, die in den Artikeln anklingen. Drittens ermöglicht die Untersuchung der Debatte und ein Close Reading einzelner Texte Einsichten in die Polemik als Form, die ambivalent und umstritten bleibt und durch eine Mehrheitsgesellschaft zuletzt gegen Fränkel instrumentalisiert wurde.

This article examines a widely discussed press polemic between Swiss literary scholar Jonas Fränkel and representatives of the scholarly establishment, based on newly uncovered archival material. The controversy centered on the handling of Carl Spitteler’s literary estate. Fränkel’s sharply crafted texts reveal his views on the boundaries between exclusive and public knowledge, as well as on the notion of authorship. The analysis shows how a scholar celebrated for his work on figures like Spitteler and Gottfried Keller was publicly discredited as a troublemaker through polemical engagement he himself saw as a form of defense. The study further situates the dispute within broader histories of knowledge: the handling of literary estates has long been a site of contention. Finally, a close reading of selected texts offers insight into polemic as a genre – ambivalent, controversial, and, in this case, weaponized by the cultural mainstream against Fränkel.


Joanna Nowotny

Dr. Joanna Nowotny, geb. 1988, war von 2013 -2017 Doktorandin am Lehrstuhl von Prof. Dr. Andreas Kilcher an der ETH Zürich. Sie studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie an den Universitäten Bern und Wien. Forschungstätigkeit und Publikationen im Feld der deutsch-jüdischen Studien, der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, der Comic und Game Studies. Veröffentlichungen u. a.: Reader Superhelden. Theorie - Geschichte - Medien, (Mithg., 2018); Ein »Prozess« der Selbstwerdung. Kafkas verdeckt-literarische Kierkegaard-Rezeption, in: German Quarterly 90.1 (2017); Kierkegaard und das »jüdische Denken«. Die Rezeption Sören Kierkegaards in der jüdischen Moderne im Kontext des Orientalismus, in: Kierkegaard Yearbook 2016.

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Kategorien

Schlagworte
Aufklärung, Weimarer Klassik, Romantik, Moderne, Gegenwartsliteratur, Grundlagenforschung, Deutsches Literaturarchiv, Marbach, Jahrbücher, Literaturwissenschaft, Reihen, Kotzebue, Schiller, Ingeborg Bachmann, Comic, Kolonialismus, Afrika, Schillerrede
Thema
DSBD, DSBF, DSBH, DSBJ, DSC, DSG, DSK, DSM
Bisac-Code
FOR009000, REF027000

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