


Obwohl diese Industrien zu den bedeutendsten Konsumgüterbranchen der Nachkriegszeit zählten und überwiegend Frauen beschäftigten, blieb ihr Strukturwandel politisch und gesellschaftlich marginalisiert. Die Analyse zeigt, dass wirtschaftspolitische Entscheidungen – insbesondere die Förderung des Freihandels und die staatliche Begünstigung von Produktionsverlagerungen – weiblich dominierte Arbeitsplätze systematisch entwerteten. Auf Basis von Oral‑History‑Interviews wird deutlich, dass gängige Vorurteile über weibliche Erwerbsarbeit – etwa Vorstellungen von Zuverdienst, Fluktuation oder mangelnder Organisationsfähigkeit – die Wahrnehmung prägten und zu fehlender Solidarität sowie geringer Sichtbarkeit des Arbeitsplatzabbaus führten. Die Studie macht sichtbar, dass Frauen sich aktiv gegen den Strukturwandel wehrten, ihre Proteste jedoch kaum öffentliche Resonanz fanden. Abschließend plädiert der Beitrag für eine geschlechtersensible Arbeits‑ und Erinnerungsgeschichte, die marginalisierte Perspektiven stärker einbezieht und dominante Narrative hinterfragt.
This article examines the largely overlooked decline of Germany’s textile and garment industry through a gender historical lens. Although these industries were among the most significant consumer goods sectors of the post war period and employed predominantly women, their structural transformation remained politically and socially marginalized. The analysis shows that economic policy decisions – especially the promotion of free trade and incentives for relocating production abroad – systematically devalued female dominated workplaces. Drawing on oral history interviews, the study demonstrates how persistent stereotypes about women’s work – such as assumptions of secondary earnings, high turnover, or low organizational capacity – shaped public perception and contributed to limited solidarity and visibility regarding job losses. The findings reveal that women did actively resist the structural decline, yet their protests received little public attention. The article concludes by calling for a gender sensitive labor and memory history that incorporates marginalized perspectives and challenges dominant narratives.
Alicia Gorny, geb. 1987 in Goslar, Masterabschluss in Geschichtswissenschaften und Gender Studies an der Ruhr-Universität Bochum. Abgeschlossene Promotion ebenfalls an der Ruhr-Universität mit der Arbeit "Die Unorganiserbaren". Weibliches Engagement in der Gewerkschaft Textil-Bekleidung (1949-1998). Forschungsschwerpunkte sind Gewerkschaftsgeschichte, Geschichte der Arbeit und Geschlechtergeschichte.
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