


Anhand von Selbstzeugnissen, Medienproduktionen und Material aus Unternehmen und Gewerkschaften des Lebensmitteleinzelhandels und des Textileinzelhandels werden Rückschlüsse gezogen auf die Veränderungen von Praktiken der Arbeit und Selbstbild der Frauen. Teilzeit, ebenso wie die Debatten um den Ladenschluss, Selbstbedienung, genauso wie die späteren Barcodes und Scannerkassen, sowie die Rationalisierung, Computerisierung und Digitalisierung von Kassen und Einzelhandelsgeschäften veränderten deren Arbeitsplatz grundlegend. Diese Veränderungen beeinflussten das soziale Prestige von Verkäuferinnen und arbeitenden Frauen in der Geschlechterordnung der Bundesrepublik. Der Beitrag und die dahinterstehende Monografie fügen sich in aktuelle Forschungen zur Arbeits- und Geschlechtergeschichte ein, gehen aber noch einen Schritt weiter und untersucht empirisch fundiert die konkreten Mechanismen und Praktiken in der Arbeitswelt, die dazu führen, dass trotz formalrechtlicher Gleichstellung in Bundesrepublik und DDR seit 1949 Frauen noch bis in die 1990er-Jahre (und noch immer) im Arbeits- und Familienleben marginalisiert und stigmatisiert sind.
This article illustrates how the working environments of sales assistants and cashiers changed in the 20th century. Based on personal accounts, media productions, and material from companies and trade unions in the food and textile retail sectors, conclusions are drawn about changes in women's working practices and self-image. Part-time work, as well as debates about store closing times, self-service, and later barcodes and scanner checkouts, as well as the rationalization, computerization, and digitization of cash registers and retail stores, fundamentally changed their workplace. These changes influenced the social prestige of saleswomen and working women in the gender hierarchy of the Federal Republic of Germany. The article and the monograph on which it is based are part of current research on labor and gender history. However, they go one step further and examine empirically based the specific mechanisms and practices in the world of work that have led to women being marginalized and stigmatized in working and family life until the 1990s (and still today), despite formal legal equality in the Federal Republic and the GDR since 1949.
Manuela Rienks, geb. 1990, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Zeitgeschichte (IfZ), derzeit im Projekt "Mindelheim im NS-Regime. Katholisches Milieu, Kleinstadt und Volksgemeinschaft"; zuvor: Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Neugestaltung der Dauerausstellung zum Verfassungskonvent von Herrenchiemsee von 1948 und zum Grundgesetz bei der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen; davor: Promotionsstudium an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Mitarbeit in der Forschungsabteilung des Instituts für Zeitgeschichte Forschungsschwerpunkte: Geschlechtergeschichte, Arbeitsgeschichte, Geschichte des Nationalsozialismus und der frühen Bundesrepublik, Verfassungsgeschichte, Demokratiegeschichte
mehr