

Trotz zunehmender Auslagerung der Produktion ins Ausland avancierte „Qualität“ zu einem zentralen Begriff sowohl auf einer persönlichen als auch geschäftlichen Handlungsebene. Interviews mit ehemaligen Beschäftigten zeigen, dass regionale Bindung, familiäre Prägungen und ökonomische Interessen entscheidend die Wahrnehmung von „Qualität“ prägten. Vor dem Hintergrund des Strukturwandel der Branche bauten Unternehmen ihre Präsenz zunächst in verschiedenen europäischen Ländern aus. Dabei übertrugen sie ihre Standards durch Lizenz- und Know-how-Verträge sowie Auftragsproduktion und schufen so asymmetrische Machtverhältnisse gegenüber den Partnern. Die DDR-Fallstudie verdeutlicht, wie Salamander die Einhaltung der Qualitätsanforderungen 1976 zentral in den Lizenz- und Know-How-Vertrag verhandelte. In Jugoslawien wiederum erforderte die Umsetzung deutscher Standards eine kultursensible Kommunikation und pragmatische Lösungen, um arbeitskulturellen Besonderheiten wie der Arbeiterselbstverwaltung gerecht zu werden und die Beziehung zu den Partnern zu stabilisieren.
Christina Häberle examines the internationalization of the German shoe industry between 1970 and 1989, using Salamander, Peter Kaiser, and Gabor as examples. Despite the increasing outsourcing of production abroad, “quality” became a central concept both on a personal and business level. Interviews with former employees show that regional ties, family influences, and economic interests had a decisive impact on the perception of “quality.” Against the backdrop of structural change in the industry, companies initially expanded their presence in various European countries. In doing so, they transferred their standards through licensing and know-how agreements as well as contract manufacturing, thus creating asymmetrical power relations with their partners. The GDR case study illustrates how Salamander centrally negotiated compliance with quality requirements in the 1976 licensing and know-how agreement. In Yugoslavia, on the other hand, the implementation of German standards required culturally sensitive communication and pragmatic solutions in order to accommodate specific features of the working culture, such as worker self-management, and to stabilize the relationship with partners.
Christina Häberle ist seit Oktober 2021 Doktorandin am Leibniz-Zentrum für Zeitgeschichte und Mitglied der zweiten Förderphase des von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Graduiertenkollegs „Soziale Folgen des Wandels der Arbeitswelt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“. In ihrem Projekt „Auf den Fersen der Welt. Eine Geschichte der deutschen Schuhindustrie in der Welt von 1970 bis 2000” untersucht sie die Geschäftspraktiken internationalisierender Unternehmen und ihrer leitenden Angestellten in bis zu acht Ländern (unter anderem Jugoslawien, Ungarn und Indien). 2024 konnte sie im Rahmen des Gerald D. Feldman-Reisestipendiums der Max Weber-Stiftung in Hongkong und Indien wertvolle Recherchen für ihr Dissertationsprojekt durchführen. Zuvor studierte sie Geschichte und Linguistik an der Technischen Universität Dresden sowie Zeitgeschichte an der Universität Potsdam.
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