

Als einer von zwei Pkw-Herstellern der DDR war das AWE zentraler Arbeitgeber und sozialer Bezugspunkt für tausende Beschäftigte. Der Beitrag untersucht den Wandel von Arbeitswelten und sozialen Ungleichheitsverhältnissen im AWE vor und nach 1989 mit besonderem Fokus auf weibliche Beschäftigte. Ausgehend von den sozialpolitischen Rahmenbedingungen der Honecker-Ära werden geschlechtsspezifische Ungleichheiten im Betriebsalltag analysiert. Zudem wird gezeigt, wie der Transformationsprozess nach der Friedlichen Revolution bestehende Ungleichheiten verschärfte. Die Werksschließung 1991 führte zu massenhafter Arbeitslosigkeit, die Frauen überproportional betraf. Anhand des AWE wird exemplarisch verdeutlicht, wie politische Umbrüche und wirtschaftliche Restrukturierung soziale Ungleichheiten neu formten und weibliche Erwerbsbiografien nachhaltig beeinflussten.
The Eisenach Automobile Plant (AWE) has been one of Germany’s oldest automotive production sites since 1898 and shaped the economic and social life of the West Thuringian region for decades. As one of only two passenger car manufacturers in the GDR, AWE served as a central employer and social anchor for thousands of workers. This article examines transformations in working conditions and social inequalities at AWE before and after 1989, with a particular focus on female employees. Against the background of the Honecker era’s social policies, gender-specific inequalities in everyday factory life are analyzed. Furthermore, the study illustrates how the post-1989 transformation intensified existing disparities. The plant’s closure in 1991 resulted in mass unemployment, disproportionately affecting women. Using AWE as a case study, the article demonstrates how political upheaval and economic restructuring reshaped social inequalities and had lasting impacts on women’s employment trajectories.
Jessica Lindner-Elsner, geb. 1990, ist seit 2025 Wissenschaftliche Leiterin der Stiftung Automobile Welt Eisenach. Dort ist sie verantwortlich für die inhaltliche Gestaltung des Museums automobile welt eisenach und leitet das historische Archiv. Zuvor hat sie das Archiv der Stiftung geleitet und war stellvertretende Museumsleiterin. Sie studierte in Erfurt Geschichte und Politikwissenschaft und wurde 2022 in München an der Ludwig-Maximilians-Universität promoviert. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Landes- und Regionalgeschichte, Arbeits- und Wirtschaftsgeschichte der DDR, die Geschichte sozialer Ungleichheit in der DDR und die Transformationsgeschichte. Publikationen u.a.: „Von Wartburg zu Opel. Arbeit und Ungleichheit im Automobilbau Ostdeutschlands 1970–1992“, Göttingen 2023; Automobilbau in der DDR, Erfurt 2024.
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