

Dabei liegt die Annahme zugrunde, dass der DGB ein ambivalentes Verhältnis zur anschwellenden Arbeitslosigkeit und den von ihr Betroffenen hatte. Einerseits inszenierte er sich mit seinen Mitgliedsgewerkschaften als politisches Sprachrohr auch für Erwerbslose, andererseits öffnete er die eigenen Organisationen für die Anliegen von Arbeitslosen nur zögerlich. Dieser Prozess torpedierte die propagierte Glaubwürdigkeit als Interessenvertretung auch von Menschen ohne Arbeit. Der Aufsatz untersucht die vorgebrachten Argumente für und gegen eine Aufnahme von Erwerbslosen in den DGB-Gewerkschaften, setzt diese in Beziehung zur sich öffnenden Mitgliedschaftspraxis und analysiert den sich daraus ergebenden Wandel auf das gewerkschaftliche Selbstverständnis, die Programmatik und das Organisationsverhalten.
Katharina Thießen ist wissenschaftliche Dokumentarin und Expertin für historische Hörfunkbestände beim Deutschen Rundfunkarchiv. Sie hat Soziologie sowie Politikwissenschaft an der Universität Potsdam studiert und anschließend ein wissenschaftliches Volontariat bei der Stiftung Berliner Mauer absolviert, wo sie auch als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Zeitzeug_innenarbeit / Oral History tätig war. Sie erarbeitet ein Dissertationsprojekt zum Thema "Arbeit für alle? Die Rolle des Deutschen Gewerkschaftsbundes in den Auseinandersetzungen um Arbeitslosigkeit und Armut, 1972-1998" (Arbeitstitel). Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, die Geschichte der Sozialpolitik, die Geschichte der Arbeit und der Gewerkschaften, Oral History und die Arbeit mit Zeitzeug_innen sowie die Rundfunkgeschichte.
mehr