

Dabei handelte es sich um durchaus übliche Konflikte im Zuge der Herrschaftsübernahme durch einen König. Heinrich wollte sich Heinrich von den führenden Fürsten aus der Zeit seiner Minderjährigkeit lösen, wogegen diese opponierten. Aber der König siegte und bestrafte seine Gegner. Mit dem forcierten Burgenbau des Königs kam ein neues Element hinzu: der Ausbau starker Defensivwaffen. Die sächsischen Fürsten empfanden diese als Bedrohung, weil sie erkannten, dass der König sich nicht nur dauerhaft im Harzumland festsetzen wollte, sondern sich dank der Burgen ihren Pressionen entziehen konnte. Auch die sächsische und thüringische Landbevölkerung lehnte die Burgen ab, weil ihre Errichtung zu ihren Lasten ging. Die Stimmung wandte sich immer mehr gegen Heinrich IV., weshalb war der eigentliche Sachsenkrieg ab 1073 von einer neuen Qualität geprägt war: Der König erschien als Feind, der angeblich die Vernichtung seiner Gegner plante, und andersherum zeigte sich Heinrich IV. wenig kompromissbereit. Als dann auch noch der Konflikt mit Papst Gregor VII. hinzukam, waren weitere langwierige und tiefgreifende Auseinandersetzungen anscheinend unvermeidbar.
Matthias Becher, geb. 1959, Studium der Geschichte und der Politischen Wissenschaften an der Universität Konstanz, Promotion 1990 in Konstanz, Habilitation 1995 in Paderborn, seit 1998 Professor für Mittelalterliche und Neuere Geschichte an der Universität Bonn; seit 2013 Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste sowie der Zentraldirektion der Monumenta Germaniae Historica. Forschungsgebiete: Geschichte des frühen und hohen Mittelalters, insbesondere politische und Verfassungsgeschichte des Frankenreiches und des werdenden Deutschen Reiches.
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