

Bisher hat sich die Forschung häufig auf kulturelle Faktoren wie divergierende Vorstellungen von Königtum oder die Kirchenreform konzentriert und ist in dieser Hinsicht den narrativen Quellen gefolgt. Diese Ansätze wurden in jüngeren Beiträgen aufgrund ihrer begrenzten Erklärungsreichweite kritisiert. Dabei wurden alternative Erklärungen angeboten, die auf territoriale und wirtschaftliche Interessenkonflikte hingewiesen haben. Die Rolle, welche die reichen Silbervorkommen im Harz gespielt haben könnten, wurde ebenfalls noch nicht diskutiert. Archäologische und numismatische Befunde zeigen aber, dass der Bergbau und die damit verbundenen wirtschaftlichen Interessen eine treibende Kraft hinter den Spannungen zwischen Heinrich IV., dem sächsischen Adel und den Bischöfen von Halberstadt und Hildesheim gewesen sind. Der Sachsenaufstand könnte somit als eine Eskalation ökonomischer Interessengegensätze verstanden werden, die durch den Rückgang der Silberproduktion ab 1040 verschärft wurden.
Matthias Berlandi ist Historiker mit Schwerpunkt auf der politischen Ökonomie des Mittelalters, insbesondere im Ostfränkisch/Römisch-Deutschen Reich vom 10. bis zum 13. Jahrhundert. Er studierte und promovierte an der Johannes Gutenberg Universität und war in Forschung und Lehre u. a. in Göttingen, Mannheim und Utrecht tätig. Seine Arbeiten verbinden klassische Quellenanalyse (Urkunden, narrative Quellen) mit quantitativen Methoden wie Numismatik, GIS und datenbasierter Modellbildung. Im Zentrum seiner Forschung stehen Ressourcenverteilung, Elitenkonflikte und institutioneller Wandel, insbesondere im Kontext des Investiturstreits und der wirtschaftlichen Grundlagen mittelalterlicher Herrschaft.
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