

Ausgehend von der Vereinsgeschichte des Aktiven Museums und der Berliner Gedenkzeichenlandschaft wird gezeigt, wie sich erinnerungspolitische Initiativen seit den 1980er-Jahren von zivilgesellschaftlichen Projekten zu institutionell geförderten Formen des Gedenkens entwickelt haben. Anhand der Berliner Gedenktafel-Datenbank sowie ausgewählter Beispiele werden Leerstellen und Ungleichgewichte sichtbar: Bestimmte Bezirke, historische Epochen, soziale Gruppen und Perspektiven sind im öffentlichen Gedenken deutlich unterrepräsentiert. Im Fokus steht insbesondere die Erinnerung an jüdisches Leben, die vielfach auf Verfolgung, Flucht und Exil während des Nationalsozialismus reduziert bleibt. Der Beitrag plädiert dafür, jüdische Geschichte in ihrer zeitlichen und sozialen Vielfalt sichtbar zu machen. Intersektionale Ansätze, partizipative Outreach-Projekte und eine stärkere Einbeziehung bislang unterrepräsentierter Perspektiven können dazu beitragen, die Erinnerungskultur im Stadtraum vielfältiger zu gestalten.
This article examines the potential of historical markers in fostering a diverse and discrimination-sensitive culture of remembrance in Berlin’s public space. Drawing on the history of the Aktives Museum and Berlin’s landscape of commemorative markers, it shows how initiatives in the field of memory politics have developed since the 1980s from civic projects into institutionally supported forms of commemoration. Based on Berlin’s database of commemorative plaques and other memorial sites and/or projects, the article identifies gaps and imbalances: certain districts, historical periods, social groups, and perspectives remain significantly underrepresented in public remembrance. Particular attention is paid to the commemoration of Jewish life, which is often reduced to persecution, flight, and exile under National Socialism. The article argues for making Jewish history visible in its temporal and social diversity. Intersectional approaches, participatory outreach projects, and greater inclusion of previously underrepresented perspectives can contribute to making the culture of remembrance in urban space more diverse.
Nora Hogrefe, geb. 1988, leitet die Koordinierungsstelle Historische Stadtmarkierungen im Verein Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin und betreut das landeseigene Berliner Gedenktafelprogramm sowie verschiedene Erinnerungsvorhaben im öffentlichen Raum. Publikation: „Eine Zukunftsvision für Gedenken im öffentlichen Raum“, in: Stefanie Endlich: Text im Raum. Berlingeschichte verortet, Berlin 2022 (hg. vom Aktiven Museum).
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