

Berücksichtigt werden die heute auf Berliner Gebiet liegenden Städte Berlin, Cölln an der Spree und Spandau. In mehreren Abschnitten befasst sich dieser Überblick mit zentralen Themen und Charakteristika des jüdischen Lebens im mittelalterlichen Berlin. So interessieren die frühen Ansiedlungen und die rechtlichen Grundlagen jüdischer Präsenz (ab dem frühen 13. Jahrhundert), gerade aber das Zusammenleben von Christen und Juden. Hierbei liegt besonderes Augenmerk auf der Rolle des Bürgerstatus und dem fleischverarbeitenden Handwerk. Unter den Verfolgungsereignissen werden die Thronkrisenverfolgung Mitte des 14. Jahrhunderts und das Ende der jüdischen Präsenz im mittelalterlichen Berlin durch ein Komplott, Justizmorde und die Ausweisung im Jahr 1510 angesprochen. Erstere Verfolgung fällt zugleich in die Zeit des Schwarzen Todes, er ist aber nicht die Ursache für die Pogrome zwischen 1348 und ca. 1352. Ein Ausblick ins spätere 16. Jahrhundert bildet die chronologische Brücke zu den Neuanfängen des Berliner Judentums – und den weiteren Beiträgen des Bandes.
The chapter examines the history of Jews in Berlin during the Middle Ages and, more explicitly than previous research has often done, focuses on social-historical perspectives. It covers the medieval cities of Berlin, Cölln an der Spree, and Spandau, which are located within the boundaries of modern-day Berlin. In several sections, this overview addresses central and characteristic topics of Jewish life in medieval Berlin. It examines the early settlements and the legal foundations of the Jewish presence (beginning in the early 13th century), but focuses particularly on the coexistence of Christians and Jews. Special attention is given to the role of citizenship and the butchery trade. Among the episodes of persecution discussed are the persecution during the mid-14th century succession crisis (“Thronkrisenverfolgung”) and the end of the Jewish presence in medieval Berlin, which resulted from a conspiracy, judicial murders, and the expulsion in 1510. While the earlier persecution coincided with the Black Death, the plague was not the cause of the pogroms that took place between 1348 and approximately 1352.
A forward glance into the late 16th century serves as a chronological bridge to the new beginnings of Berlin’s Jewish community—and to the subsequent chapters of this volume.
Jörn Roland Christophersen, geboren 1983 in Bonn, war nach der Promotion zur Geschichte der Juden im Osten des mittelalterlichen Reiches an der Universität Trier und Tätigkeiten am dortigen Arye-Maimon-Institut für Geschichte der Juden zunächst an der Mainzer Akademie der Wissenschaften, dann als PostDoc ("Assistent") an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Humboldt-Universität zu Berlin tätig. Derzeit wirkt er an der Freien Universität Berlin am Liv-, Est- und Kurländischen Urkundenbuch mit. Zu seinen Forschungsinteressen in der mittelalterlichen Geschichte gehören unter anderen: die Sozialgeschichte, Gewalt und Gewalthandeln, das mittelalterliche Aschkenas, die Begegnungen von Christentum, Judentum und Islam, konstruierte Alteritäten, aber auch die Historischen Hilfswissenschaften und die kritische Edition, derzeit im Besonderen zur Geschichte Livlands.
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