


Wenige haben das Berlin der 1920er-Jahre so scharfsichtig in Feuilletons portätiert. Mit tiefsitzendem Skeptizismus blickte Roth auf die modernen Erscheinungsformen des Verkehrs, der Architektur, der Kommunikationstechnik, der Massenkultur. Mit umso größerer Empathie widmete er sich den Existenzen, die in der Millionenmetropole ums blanke Überleben, um Anerkennung, ums Wahrgenommenwerden kämpften. Das galt auch für das jüdische Berlin in seinen verschiedenen Erscheinungsformen. In seinem Buch „Juden auf Wanderschaft“ ging Roth mit dem assimilierten jüdischen Bürgertum kritisch ins Gericht und bemühte sich um eine Rehabilitation der Zuwanderer aus Osteuropa.
Joseph Roth had an ambivalent relationship with Berlin. Few captured the Berlin of the 1920s in their newspaper features with such keen insight. Roth viewed the modern manifestations of transport, architecture, communication technology, and mass culture with deep-seated skepticism. Yet he devoted himself with all the greater empathy to the lives of those in the sprawling metropolis who were struggling for sheer survival, for recognition, and simply to be noticed. This applied equally to the various facets of Jewish Berlin. In his book *The Wandering Jews* (*Juden auf Wanderschaft*), Roth took a critical stance toward the assimilated Jewish middle class while striving to rehabilitate the image of immigrants from Eastern Europe.
Michael Bienert, 1964, Autor, Journalist, Stadtführer mit Forschungsschwerpunkt Berliner Literatur- und Kulturgeschichte
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