


Trotz fehlender direkter Auseinandersetzung lassen sich zahlreiche thematische Affinitäten feststellen, beispielsweise in der Kritik des Fortschritts, im Verhältnis von Geschichte und Katastrophe, in der Rolle von Erinnerung sowie in der Perspektive der Besiegten.
Ein erster Schwerpunkt liegt auf der Analyse von Spuren Benjamins im Nachlass und in der Bibliothek Kosellecks. Während Benjamins eigene Bibliothek weitgehend verloren ist, stellt Kosellecks umfangreiche Sammlung einen zentralen Gedächtnisort dar. In ihr lassen sich selektive, aber intensive Lektüren Benjamins nachweisen, insbesondere seiner geschichtsphilosophischen Thesen. Der zweite Schwerpunkt liegt auf direkten Zitaten Benjamins. Sie befinden sich bei Koselleck nur selten und werden im Rahmen dieser Untersuchung rekonstruiert und analysiert.
Schließlich konzentriert sich dieser Text auf den methodologischen Aspekt, der sich aus der Problematisierung der Perspektive der Besiegten gegenüber der der Sieger in der Geschichtsschreibung ergibt. Kurzum zeigt der Aufsatz, dass Benjamins Denken implizit wichtige Anknüpfungspunkte für Kosellecks Historik bietet.
This essay examines the virtually non-existent relationship between Reinhart Koselleck and Walter Benjamin, thereby providing a counterpoint. Despite the lack of direct engagement, numerous thematic affinities can be identified, for example in their critique of progress, in the relationship between history and catastrophe, in the role of memory, and in the perspective of the defeated.
The first focus is on analyzing traces of Benjamin in Koselleck's estate and library. While Benjamin's own library has been largely lost, Koselleck's extensive collection represents a central place of memory. It provides evidence of Benjamin's selective but intensive reading, especially of his theses on the philosophy of history. The second focus is on direct quotations from Benjamin. These are rare in Koselleck's work and are reconstructed and analyzed in this study.
Finally, this text focuses on the methodological aspect that arises from the problematization of the perspective of the defeated versus that of the victors in historiography. In short, the essay shows that Benjamin's thinking implicitly offers important points of reference for Koselleck's historiography.
Lucila Svampa ist promovierte Sozialwissenschaftlerin mit Forschungsschwerpunkten in der Philosophie der Geschichte. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an CONICET und der Universität von Buenos Aires, wo sie Philosophie unterrichtet. Sie ist Alumni der Alexander von Humboldt Stiftung und von DAAD. Sie ist Leiterin des Forschungsprojekts “Was von gewalttätigen Vergangenheiten bleibt: zwischen greifbaren und ätherischen Bildern” (Universität Buenos Aires).
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