Lukas Potsch ORCID

Der Bürgerkriegsbias in Reinhart Kosellecks Begriffsgeschichte von 'Revolution'

Über politische Implikationen der Begriffsgeschichte und mögliche Gegenmittel


21 Seiten
Erscheinungsdatum: 18.03.2026

DOI https://doi.org/10.46500/83536053-003

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Geschichte im Widerstreit
Beiträge zur Historisierung Reinhart Kosellecks

DOI https://doi.org/10.46500/83536053
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Der Beitrag behandelt am Beispiel des Revolutionsbegriffs Probleme, die sich aus dem von Reinhart Koselleck geprägten Ansatz der Begriffsgeschichte ergeben.


Zwar fehlt dieser Begriffsgeschichte eine explizite politische Stoßrichtung. Durch die methodische Anlage sowie den historischen Kontext des Kalten Krieges, in dem dieser Zugriff entwickelt wurde, ergeben sich aber politische Implikationen. Im Falle des Revolutionsbegriffs schlägt das politische Moment in einem Vorrang des Bürgerkriegsbegriffs nieder: Jede Revolution ist diesem Verständnis nach, immer nur bloßer Bürgerkrieg. "Revolution" ist immer ein sprachliches Täuschungsmanöver. Eine Auffassung, die zugleich, wie gezeigt wird, das selbstgegebene Ziel der Begriffsgeschichte verfehlt, Sprache nicht nur als Faktor, sondern auch als Indikator realgeschichtlichen Wandels zu begreifen. Abschließend werden Möglichkeiten aufgezeigt, eine differenziertere Begriffsgeschichte von Revolution mit Hilfe des Stufenmodells der Moderne des Historikers Heinz Dieter Kittsteiner zu schreiben.

Using the concept of revolution as an example, the article addresses problems arising from Reinhart Koselleck's history of concepts. Although his history of concepts lacks an explicit political agenda, its methodological foundation and the historical context of the Cold War in which it was developed produce political implications. In the case of the concept of ‘Revolution’, the political moment is reflected in the primacy of the concept of ‘Bürgerkrieg’ (civil war): according to this understanding, every revolution is always merely civil war. ‘Revolution’ only can be a linguistic deception. This is a view that, as will be shown, misses the self-imposed goal of conceptual history, which is to understand language not only as a factor but also as an indicator of historical change. Finally, possibilities for writing a more balanced conceptual history of revolution with the help of historian Heinz Dieter Kittsteiner's stage model of modernity will be outlined.


Lukas Potsch

Lukas Potsch, geb. 1992, studierte Soziologie, Deutsche Sprach- Literaturwissenschaft und Staatswissenschaften in Freiburg, Passau und Wien. Er promovierte im Fach Soziologie an der Universität Freiburg mit einer Arbeit über Ideengeschichte des Bürgerkriegs in der Moderne. Derzeit ist er Postdoktorand am Arbeitsbereich Allgemeine Soziologie des Instituts für Soziologie der Philipps-Universität Marburg. Zu seinen Lehr- und Forschungsschwerpunkten zählen: Soziologische Theorie und Sozialphilosophie; Soziologie und Ideengeschichte von Krieg und Gewalt; Ideen- und Intellektuellensoziologie (insbesondere des radikalen, rechten Denkens); Theorien der Moderne; Soziologien der Mensch-Natur-Verhältnisse.

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Kategorien

Schlagworte
Staat, Kalter Krieg, Moderne, Sattelzeit, Heinz Dieter Kittsteiner, Carl Schmitt
Thema
NHAH, NHTX, NHTZ1
Bisac-Code
HIS037070, HIS014000

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