


In seinem Sammeln, Bewahren, Ausstellen und Vermitteln zeugt es von Zeiten und verheißt Zugang zu anderen Zeiten. Jedes Museum ist Produkt seiner Zeit und generiert Vorstellungen von Zeit. Vor dem Hintergrund der Debatte um Zeitschichten und Pluritemporalität in der Geschichtskultur untersucht der Beitrag Dimensionen musealer Zeitlichkeit in zwei distinkten Perspektiven: Zum einen wird gefragt, ob und in welcher Form sich das Konzept der Zeitschichten in der wissenschaftlichen Literatur zum Museum niederschlägt bzw. welche andere Zeitbegriffe hier in den Vordergrund treten. Zum anderen werden Ausstellungen als inszenierte Zeit-Ordnungen in den Blick genommen und Zeitschichten hier ins Verhältnis zu zwei anderen prominenten „Zeitfiguren“ (Lucian Hölscher) im Kontext des Ausstellens – Zeitraum und Zeitstrahl – gesetzt. Zeitschichten kommen, so ein Schluss, insbesondere dort zu Anwendung und Vorschein, wo Orte als Grundlage von Geschichtsdarstellungen genommen oder geschaffen werden. Hier kann das Konzept, ungeachtet problematischer Facetten, produktive und reflexive Momente in der Repräsentation von Geschichte entfalten.
Joachim Baur, Jahrgang 1973, ist Professor für Empirische Kulturwissenschaft am Institut für Kunst und Materielle Kultur der TU Dortmund. Mit Katrin Pieper betreibt er seit 2010 die Ausstellungsagentur »Die Exponauten. Ausstellungen et cetera« in Berlin. Er lehrt und forscht u.a. zu Museumstheorie, zu Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Museums, Theorie und Praxis des Kuratierens, Analysen materieller Kultur, Geschichtspolitik und Repräsentationen von Migration. Er leitete die Kuratorischen Teams der Dauerausstellung im Museum Friedland (2016), der Basisausstellung im Forum Wissen Göttingen und der Sonderausstellung »Moving Things« (beide 2022). Veröffentlichungen u. a.: Die Musealisierung der Migration. Einwanderungsmuseen und die Inszenierung der multikulturellen Nation (2009).
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