


Dabei ergeben sich frappierende Verbindungen, aber selbstverständlich auch Unterschiede. Bei Moritz wird das Lesenlernen zu einer körperlichen Übung, bei der mit dem Einprägen von Buchstaben und Wörtern zugleich eine bestimmte Ethik vermittelt wird. Besondere Wirksamkeit entfaltet das emblematische Zusammenspiel von Buchstabe, Text und Bild. Während das Lesenlernen vornehmlich als mündliche Übung exponiert wird, nimmt die Neuausgabe des Buchs von Wolf Erlbruch von 2000 eine Verschiebung zum Medium der Schrift vor. Gleichzeitig wird in Erlbruchs Illustrationen das Moment der Disziplinierung
profiliert.
The article examines Karl Philipp Moritz's ‘"Neues ABC-Buch" (1790) and traces the reading exercises presented therein by comparing them with the "Spiritual Exercises" of Ignatius of Loyola. This reveals striking connections, but also differences, of course. For Moritz, learning to read becomes a physical exercise in which a certain ethic is conveyed at the same time as letters and words are memorised. The emblematic interplay of letters, text and images is particularly effective. While learning to read is primarily presented as an oral exercise, the new edition of the "Neues ABC-Buch" by Wolf Erlbruch from 2000 shifts the focus to the medium of writing. At the same time, Erlbruch's illustrations emphasise the element of discipline in the process of learning to read.
Martina Wagner-Egelhaaf, geb. 1957, ist Seniorprofessorin für Neuere deutsche Literatur an der Universität Münster, wo sie von 1998 bis 2024 einen Lehrstuhl für neuere deutsche Literaturgeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Moderne und der Gegenwartsliteratur innehatte. Von 1995 bis 1998 war sie als Professorin für Neugermanistik, insbesondere Rhetorik und Literaturtheorie an der Ruhr Universität Bochum tätig. Von 1988 bis 1995 war sie Wissenschaftliche Assistentin an der Universität Konstanz, wo sie sich 1994 habilitierte. Die Promotion erfolgte 1987 an der Universität Tübingen, wo Martina Wagner-Egelhaaf die Fächer Germanistik und Geschichte studiert hatte. Ihre Forschungsinteressen gelten der Geschichte der deutschen Literatur vom 17. bis zum 21, Jahrhundert, der Autobiographieforschung, der Rhetorik und der Literaturtheorie sowie dem Verhältnis von Literatur und Religion.
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