Eric Angermann ORCID

Nationalismus als Antriebskraft

Rechte Milieubildung und neonazistische Organisierung nach dem Mauerfall am Beispiel Cottbus (1989-1991)


22 Seiten
Erscheinungsdatum: 10.04.2026

DOI https://doi.org/10.46500/83536043-012

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Lebenswelten der radikalen Rechten in der Bonner Republik

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Der Beitrag nimmt die verbreitete Deutung eines neonazistischen „Aufbau Ost“, der in den „Wende“-Jahren von westdeutschen Führungsfiguren angeleitet worden sei, kritisch in den Blick.


Über einen mikrohistorischen Zugang vollzieht er einen Perspektivwechsel auf die Handlungsmacht ostdeutscher Akteure. Im Zentrum steht die lokale Herausbildung der Deutschen Alternative (DA) zwischen 1989 und 1991. Aus einer Skinhead-Subkultur, die bereits in der späten DDR entstanden und nationalistisch sowie rassistisch geprägt war, bildete sich ein DA-Kreisverband heraus. Dessen Aufbau wurde zwar von westdeutschen Aktivisten um Michael Kühnen unterstützt, aber nicht gesteuert. Stattdessen profitierte die Cottbuser DA von der nationalistischen Stimmung und den umfassenden Handlungsspielräumen in einer „göttliche[en] Zeit der Anarchie“, die besonders mit dem Einheitsjahr in Verbindung gebracht wird. Besonders relevant war zudem die Einbettung der DA-Praxis in ein schlagartig gewachsenes und neonazistisch geprägtes Milieu, was etwa über bundesweit und international beachtete Rechtsrock-Konzerte sichtbar wurde. Die Cottbuser DA verband translokale Vernetzung mit lokaler Milieuverankerung und trug so zur Etablierung der extremen Rechten in der Region bei.

This contribution takes a critical look at the widespread interpretation of a neo-Nazi “Aufbau Ost”, which was allegedly led by West German leaders during the years of reunification. Using a microhistorical approach, it shifts the perspective to the agency of East German activists. The focus is on the local development of the Deutsche Alternative (DA) between 1989 and 1991. A DA district association emerged from a skinhead subculture that had already developed in the late GDR and was characterized by nationalism and racism. Although its formation was supported by West German activists around Michael Kühnen, it was not controlled by them. Instead, the Cottbus DA benefited from the nationalist atmosphere and the extensive agency in a “divine time of anarchy” that is particularly associated with the year of reunification. Especially relevant was the embedding of DA practices in a rapidly growing neo-Nazi milieu, which became visible through right-wing rock concerts that attracted nationwide and international attention. The Cottbus DA combined translocal networking with local roots, thus contributing to the establishing of the extreme right in the region.


Eric Angermann

Eric Angermann, geb. 1988, studierte Politik und Geschichte an der Georg-August-Universität Göttingen. 2019-2026 Promotion an der Universität Göttingen: „Neonazismus in Bewegung. Entstehung, Vernetzung und lokale Verankerung in Ost- und Westdeutschland (1983–1992)“. Promotionsstipendiat der Hans-Böckler-Stiftung. 2021-2025 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Politische Bildung der Universität Potsdam.

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Kategorien

Schlagworte
Neonazismus, Skinheads, Deutsche Einheit, Rechte Gewalt, Umbruchsgesellschaft, Deutsche Alternative, Michael Kühnen, Nationalismus, Milieus, Bonner Republik, Rechtsradikalismus, Netzwerke, Lebenswelt, Jugendverbände, Gesellschaftswandel, Weltanschauung, Organisationen, Parteien, soziale Praktiken, Gewalthandlungen, Rechtsextremismus, rechter Terrorismus, Bundesrepublik, Publikationen, Lebenswelt der Rechtsterroristen, Ausbildung des Rechtsterrorismus, Mauerfall, Grenzübergreifende Vernetzung, Propaganda, Rassismus, Staat, Zivilbevölkerung, Urbanisierung, Bürokratien, Erinnerungskultur, Täter-Opfer-Dynamik
Thema
NH, JPFQ, JHBK, JPF
Bisac-Code
HIS037070, HIS014000, POL042040, POL015000, POL037012

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