

Die Überlegungen gehen vom adressierten ländlichen Publikum im Großherzogtum Baden und von dessen Lesegewohnheiten aus. »Unverhoftes Wiedersehen« greift drei im Kalendarium des ›Rheinländischen Hausfreundes‹ gleichberechtigt repräsentierte Zeitregime — ein an der Ereignisgeschichte Maß nehmendes (Liste singulärer Historika), eines der Alltagszeit (zyklisches Tagwerk) und dasjenige der Heilsgeschichte (Ewigkeit) – auf und unterzieht sie einer subtilen Bewertung insbesondere durch die poietische Rede der nach fünfzig Jahren noch immer treuen und trauernden Braut des verschütteten Bergmanns. Der zweite Abdruck des »Unverhofte[n] Wiedersehen[s]« im 1811 veröffentlichten ›Schatzkästlein‹ richtet die Aufmerksamkeit seines überregionalen und gebildeten Publikums hingegen auf eine andere Wechselwirkung. Als Sammlungsformat, das nach eigenem Bekunden (erzählerische) Schätze aufbewahrt, stellt es sein Archivierungs- und Wertzuschreibungenvermögen aus, zu dem der ephemere, aufs Jahr nur berechnete ›Rheinländische Hausfreund‹ nicht in der Lage ist.
Volker Mergenthaler ist Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Marburg. Er arbeitet material- und medienphilologisch mit historischer Schwerpunktsetzung in den ersten Jahrzehnten des 19. und des 20. Jahrhunderts.
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