

Die Gesellschaft der DDR war stark über die Arbeit im Betrieb organisiert, die wesentlich zur »Vergesellschaftung« beitrug. Da Betriebe das soziale und materielle Leben organisierten, prägten sie auch soziale Ungleichheit, obwohl sich die DDR als egalitäre Gesellschaft verstand. Jessica Lindner-Elsner untersucht am Beispiel des VEB Automobilwerk Eisenach, das den Wartburg baute, wie sich Arbeitsbedingungen und soziale Ungleichheit wandelten. Dies zeigt sie für die Kernbelegschaften und vulnerable Arbeiter:innen wie etwa Strafgefangene, Menschen mit Behinderungen und Ausländer. Sie waren gegenüber Mitarbeiter:innen in Normalarbeitsverhältnissen benachteiligt. Deutlich wird zudem die Ungleichbehandlungen von Frauen, die aufgrund fortbestehender Rollenverteilungen weniger flexibel auf Arbeitsanforderungen regieren konnten.
Die Autorin fragt, wie solche Benachteiligungen im planwirtschaftlichen System entstanden. Ebenso zeigt sie, wie sich die Muster sozialer Ungleichheit im Übergang zur Marktwirtschaft veränderten, als das Automobilwerk durch die Treuhandanstalt abgewickelt wurde und mit Opel in Eisenach ein neuer Hersteller übernahm.
Jessica Lindner-Elsner, geb. 1990, ist seit 2025 Wissenschaftliche Leiterin der Stiftung Automobile Welt Eisenach. Dort ist sie verantwortlich für die inhaltliche Gestaltung des Museums automobile welt eisenach und leitet das historische Archiv. Zuvor hat sie das Archiv der Stiftung geleitet und war stellvertretende Museumsleiterin. Sie studierte in Erfurt Geschichte und Politikwissenschaft und wurde 2022 in München an der Ludwig-Maximilians-Universität promoviert. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Landes- und Regionalgeschichte, Arbeits- und Wirtschaftsgeschichte der DDR, die Geschichte sozialer Ungleichheit in der DDR und die Transformationsgeschichte. Publikationen u.a.: „Von Wartburg zu Opel. Arbeit und Ungleichheit im Automobilbau Ostdeutschlands 1970–1992“, Göttingen 2023; Automobilbau in der DDR, Erfurt 2024.
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